Rhinoclemmys pulcherrima

Rhinoclemmys pulcherrima incisa

Allgemeines

Die Gattung der Erdschildkröten (Rhinoclemmys) umfasst Arten, die in meist tropischen undsubtropischen Regionen Mittel- und Südamerikas vorkommen. Die Lebensräume der verschiedenen Arten sind sehr unterschiedlich, was sich auch in deren Haltung wiederspiegelt. So ist von den fast komplett aquatisch lebenden Rhinoclemmys diademata oder funerea bis hin zu den terrestrisch lebenden Rhinoclemmys rubida für jeden Geschmack die passende Art dabei. Die in diesem Bericht vorgestellte Rhinoclemmys pulcherrima lebt sowohl aquatisch als auch terrestrisch und ist deshalb in ihrer Haltung wohl am ehesten mit den asiatischen Cuora-Arten zu vergleichen. Die Pracht-Erdschildkröte umfasst 4 Unterarten, die allesamt in Mittelamerika anzutreffen sind. Hier eine Aufzählung der Unterarten vom nördlichsten (Mexiko) bis zum südlichsten(Costa-Rica) Verbreitungsgebiet:

Rhinoclemmys pulcherrima rogerbarbouriSonora – Prachterdschildkröte
Rhinoclemmys pulcherrima pulcherrima Guerrero-Prachterdschildkröte
Rhinoclemmys pulcherrima incisaGuatemala-Prachterdschildkröte
Rhinoclemmys pulcherrima manniCosta-Rica-Prachterdschildkröte

Während die beiden erstgenannten Unterarten nur sehr selten in Europa gehalten werden, gibt es von R. p. incisa und R. p. manni relativ viele Halter, so dass man mit etwas Glück schnell Nachzuchten dieser Unterarten finden kann.

Rhinoclemmys pulcherrima pulcherrima

Aussehen

Wenn sie nicht gerade von einer Erdschicht bedeckt sind, sind die Prachterdschildkröten wahre Hingucker und zählen mit zu den schönsten Schildkröten überhaupt. Die Männchen dieser Art erreichen eine Größe von etwas mehr als 15cm und können bis zu 600g schwer werden. Die Weibchen hingegen können über 20cm groß werden und dabei ein Gewicht von 1,2kg auf die Waage bringen. Meist bleiben sie allerdings kleiner. Nach eigener Erfahrung ist R. p. incisa die größte Unterart.

Rhinolclemmys pulcherrima pulcherrima

Haltung

Da die Prachterdschildkröte in Regenwaldgebieten vorkommt, sollte ihr Terrarium auch so eingerichtet werden. Es sollte möglichst jeden Morgen mit einer normalen Sprühflasche gesprüht werden, um eine hohe Luftfeuchtigkeit zu erreichen. Nach dem Sprühen sind die Schildkröten auch wesentlich aktiver und kommen sofort aus ihren Verstecken gekrochen. Viele Pflanzen und Äste verbessern das Wohlbefinden der Tiere. Es können gerne mehrere kleine Äste im Terrarium installiert werden, auf denen die Schildkröten zwar nicht hochklettern können, jedoch gerne unter ihnen ein ruhiges und geschütztes Plätzchen aufsuchen. Pflanzen werden am besten so installiert, dass die Schildkröten sie nicht fressen können, denn bis auf Gräser würde sonst alles innerhalb eines Tages vernichtet werden. Das Substrat sollte aus lockerer und gut grabfähiger Erde bestehen, da sich die Prachtschildkröten gerne mal komplett einbuddeln und so einige Stunden ruhen. Bei mir hat sich ein Gemisch aus humusreichem, lockerem Waldboden und Spielkastensand im Verhältnis von 2-3 zu 1 bewährt. Sehr wichtig für Rhinoclemmys pulcherrima ist ein Wasserbecken. Dieses sollte etwa ein Viertel bis ein Drittel der gesamten Grundfläche einnehmen. Die Unterarten rogerbarbouri und manni gehen etwas seltener ins Wasser, doch R. p. incisa und R. p. pulcherrima können auch mal einige Tage am Stück im Wasserbecken verbringen. Dann sollte es schon eine Grundfläche von 50*50cm für ein Tier haben. Die Wassertiefe sollte etwa 10-25cm betragen ist allerdings auch auf die Schwimmfähigkeit der einzelnen Tiere anzupassen. Ein Filter ist nicht unbedingt nötig, da der sehr schnell verstopft, wenn die Schildkröten Erde mit ins Wasser schleppen. Da die Tiere allerdings nur ins Wasser koten, ist ein Wasserwechsel mindestens einmal pro Woche nötig.Insgesamt sollte die Terrariengröße 1m² nicht unterschreiten, damit sowohl Land- als auch Wasserteil groß genug ausfallen können. Es empfiehlt sich also ein Terrarium von 120cm oder 150cm Kantenlänge. Die Temperatur sollte um 25°C liegen, mit einem Temperaturgefälle von 20°C bis 30°C. Eine UV-Lampe von 50-70W, unter der es gerne über35°C warm sein sollte, ist zu empfehlen. Ansonsten braucht das Terrarium nicht überall ausgeleuchtet zu sein, da es die Prachterdschildkröten als Regenwaldbewohner gerne etwas dunkler mögen. Prachterdschildkröten sind recht friedliche Schildkröten, eine Paar- oder Gruppenhaltung ist meist problemlos möglich, sofern die Grundfläche des Terrariums der Gruppengröße angepasst wird. Mehrere Männchen sollten allerdings – wie bei allen Schildkröten – nicht zusammen gehalten werden.

Anlage zur Haltung von Rhinoclemmys

Ernährung

Prachterdschildkröten sind Allesfresser, sie ernähren sich also sowohl von tierischer als auch von pflanzlicher Nahrung. Zur tierischen Nahrung gehören alle möglichen Insekten und deren Larven, Regenwürmer, Fische, Muscheln, Babymäuse, etc. Als pflanzliche Kost wird sehr gerne Löwenzahn genommen, aber auch Chicorée, Spinat und alle möglichen Salate. Als Geheimtipp gelten Ohren der Opuntien (Feigenkaktus), die zwar sehr gerne gefressen werden, aber leider nur selten im Handel zu finden sind. Rhinoclemmys gehen auch gerne an Obst,wie zum Beispiel Banane, Mango, Papaya, Kaktusfeigen und Beeren. Allerdings sollten sie nicht öfter als einmal pro Woche mit Obst gefüttert werden. Für diese Art ist Schildkrötenpudding sehr zu empfehlen. Rezepte dazu findet man genügend im Internet.

Ansicht einer Rhinoclemmys pulcherrima pulcherrima

Zucht

Erdschildkröten paaren sich nur im Wasser und nur bei einem hohen Wasserstand von über 15cm. Zur Zucht ist ein groß dimensioniertes Wasserbecken also unabdingbar. Ist dies nicht gegeben, kann man Männchen und Weibchen einmal im Monat für mehrere Stunden in eine separate Wanne bei etwa 20cm Wasserstand setzen. Die Paarung an sich geht recht schnell vonstatten und dauert meist nur etwa 10 Minuten. Die Eiablage erfolgt meist nur in den Wintermonaten von Oktober bis Februar. Dabei kann jeden Monat ein Gelege erfolgen, das aus nur 1-2 Eiern besteht. So kann ein Weibchen über 5 Eier pro Saison legen. Im Vergleich zu anderen Schildkröteneiern sind jene der Prachterdschildkröten sehr groß. Sie können bis zu 5cm lag und 25g schwer werden. Die Inkubation der Eier ist leider etwas schwierig, da sie eine Diapause durchlaufen. Dabei „ruhen“ die Eier so lang, bis die äußeren Faktoren für sie optimal sind und sie ihre Entwicklung beginnen. Zur Diapause kann man die Eier für etwa 20-30 Tage in einem trockenen Substrat bei 20°C stehen lassen und anschließend in den Inkubator stellen bei etwa 28°C und 95-100% Luftfeuchte und einem leicht feuchten Substrat. Da die äußeren Faktoren im Inkubator perfekt sind, entwickelt sich auch das Embryo. Man kann auch versuchen, die Eier ohne Diapause sofort in den Inkubator zu stellen, allerdings hat sich bei mir die Methode mit 20°C für 3 Wochen bewährt. Insgesamt beträgt die Inkubation somit 100-180 Tage.

Rhinoclemmys pulcherrima der Nominatform kurz nach dem Schlupf

Aufzucht

Die Jungtiere sind nach dem Schlupf schon relativ groß und nicht so zerbrechlich wie bei anderen Arten. Anfangs ist eine Aufzucht mit Lebendtieren zu empfehlen, da dies den Appetit anregt. Grünzeug wie Löwenzahn und Chicoree wird auch recht schnell angenommen. Ich empfehle für die ersten Monate eine reine Wasseraufzucht bei etwa 5cm Wasserstand. Werden die Jungtiere zu trocken aufgezogen, wächst der Panzer nicht richtig. Im Wasser können auch gerne mal Pellets zugefüttert werden. Erst im Alter von 6 Monaten sollte man ihnen ein Landteil anbieten (etwa die Hälfte der Fläche). In einem solchen Setup können die Tiere weitere zwei Jahre aufgezogen werden, ehe sie in ein „Erwachsenen-Terrarium“ umgesiedelt werden.

Becken zur Aufzucht von Rhinoclemmys Schlüpflingen

Leider werden immer noch viele Prachterdschildkröten aus der Wildnis entnommen und in den Handel gebracht. Diese Tiere sind oft sehr geschwächt und schwer an die Terrarienhaltung zu gewöhnen. Außerdem sind sie oft voll mit Parasiten und Würmern. Deshalb ist unbedingt zu empfehlen, Jungtiere vom Züchter zu kaufen. Zwar können Nachzuchten etwas teurer sein, allerdings sind sie wesentlich agiler und die lästige Eingewöhnung und Wurmkur bleibt einem erspart. Es gibt mittlerweile auch genügend Züchter der Unterarten (außer rogerbarbouri), so dass er Genpool in Europa groß genug ist, um Inzucht zu vermeiden.

Nachzucht von Rhinoclemmys pulcherrima pulcherrima

chrysemys.com steht in Kontakt mit mehreren Züchtern – bei Interesse vermitteln wir gerne Jungtiere.

Text © Cedric Godart